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Pilotstudie «HarmoS Musik»

Ausgangslage

Unter dem Namen «HarmoS» ist eine Harmonisierung des Bildungswesens im Gange. Damit sollen die Qualität und Durchlässigkeit des Systems auf gesamtschweizerischer Ebene gesichert und Mobilitätshindernisse zwischen den einzelnen Kantonen abgebaut werden. Die Plenarversammlung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hat am 14. Juni 2007 das entsprechende Konkordat einstimmig verabschiedet.
Ein wichtiges Mittel zur Qualitätssicherung sind Bildungsstandards. Das HarmoS-Konkordat sieht zwei verschiedene Arten von Standards vor. Bei der ersten Art, den Leistungsstandards, werden für die einzelnen Fachbereiche jeweils Kompetenzmodelle entwickelt und daraus abgeleitet Basiskompetenzen festgelegt, über die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende des 2., 6. und 9. Schuljahres verfügen sollen. Tests überprüfen, ob diese Ziele auch erreicht werden.
Die zweite Art sind Standards, die inhaltliche Kriterien oder Kriterien für die Umsetzung festlegen. Derzeit werden im Auftrag der EDK Leistungsstandards für die Erstsprache, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaft entwickelt und getestet.

Forschungsprojekt

Mit Unterstützung der Nordwestscheizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz (NW EDK), haben die Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) und die Musikhochschule Luzern (MHS) im Dezember 2006 die gemeinsame Pilotstudie «HarmoS Musik» lanciert. Das einjährige Forschungsprojekt des Instituts für Lehren und Lernen (ILeL) der PHZ Luzern und des Instituts Forschung & Entwicklung (F&E) der MHS soll Vorarbeiten zu einem den HarmoS-Fächern entsprechenden Vorgehen für das Fach Musik leisten. Ziel der Pilotstudie ist es, exemplarisch für einzelne Teilbereiche des Faches ein mögliches Kompetenzmodell zu skizzieren und konkrete Anforderungen für einzelne Klassenstufen zu formulieren.
Dazu sind zunächst eine Analyse der Fachliteratur und das Verfolgen der aktuellen Diskussion nötig. Zur Aufnahme des Ist-Zustandes erfolgt ein Vergleich aller kantonalen Lehrpläne, der durch Gruppeninterviews ergänzt wird. In diesen Interviews wird zusammen mit möglichst verschiedenen auf dem Gebiet der Musikerziehung tätigen Interessengruppen und Personen aus der ganzen Schweiz (Musiklehrpersonen an Volksschulen und Musikschulen, Dozierende an Hochschulen usw.) der Frage musikalischer Kompetenzbereiche und einzelner Aspekte eines möglichen Kompetenzmodells nachgegangen.

Stand der Arbeit

Nachdem ich als Projektbeauftragter dieser Studie die Fachliteratur gesichtet und studiert habe, arbeite ich zurzeit an der Analyse und dem Vergleich der in der Schweiz geltenden Lehrpläne für das Fach Musik an den Volksschulen.
Bei aller Vielfalt der kantonalen Lehrpläne sind doch einige Konstanten festzustellen. Zum gemeinsamen Kern gehören das Hören und das aktive Musizieren, wobei hier oft das Singen im Zentrum steht. Hinzu kommen, in unterschiedlicher Gewichtung, musiktheoretische Kenntnisse, Schulung musikalischer Fertigkeiten sowie das Heranführen an das (musik-)kulturelle Leben. Eine Rohfassung der detaillierten Ergebnisse ist für Mitte August 2007 geplant.
Parallel dazu führe ich Gruppeninterviews, die ich nachher jeweils transkribiere. Der Forschungsbericht, in den neben dem Lehrplanvergleich auch Ergebnisse dieser Interviews einfliessen, wird Ende November 2007 vorliegen. Mit der Skizzierung eines Kompetenzmodells stellt er die Grundlage für die konkrete Erarbeitung von Bildungsstandards für das Fach Musik an den Volksschulen bereit.

Vernetzung

Während die Gruppeninterviews eine Verankerung in der schweizerischen Schulrealität sicherstellen, sorgen Kontakte über die Landes- und Fachgrenzen hinweg für weitere Synergien.
Parallel zur Luzerner Pilotstudie läuft am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Universität Bremen ein Forschungsprojekt «Kompetenzmodelle». Erste Ergebnisse werden am Symposium «Kompetenzmodelle – Lernen in Musik» diskutiert, das am 10. und 11. September 2007 in Bremen stattfindet.
Ein Austausch mit Fachpersonen anderer Kunstfächer, die sich ebenfalls mit Bildungsstandards beschäftigen, ist innerhalb der Schweizer Delegation an der Tagung «Evaluation kultureller Bildung?» vom 13. bis 15. Mai im bayrischen Wildbad Kreuth in Gang gekommen und soll weitergeführt werden.
Im Juli 2008 findet in Bologna der 28. Weltkongress der International Society for Music Education (ISME), der dieser Thematik ebenfalls einen wichtigen Platz einräumt. Als Kontaktperson fungiert Josef Scheidegger, der als Vorstandsmitglied sowohl des SMR wie der ISME sowie als langjähriger Präsident der Europäischen Arbeitsgemeinschaft Schulmusik (EAS) über die nötige internationale Vernetzung verfügt.

Jürg Huber, Projektbeauftragter
Luzern, im Juni 2007